"Wir stehen finanziell auf einem sehr soliden Fundament"
Für Larry Rosen war die heutige Bilanzpressekonferenz die erste in seiner Funktion als Finanzvorstand der Deutschen Post DHL. Im Gespräch mit Deutsche Post DHL News erläutert er wichtige Entwicklungen im abgelaufenen Geschäftsjahr und gibt einen Ausblick auf die zukünftige Finanzstrategie des Konzerns.
Finanzvorstand Larry Rosen
Deutsche Post DHL News: Die Deutsche Post DHL hat ihr Ende 2007 aufgelegtes Kapitalmarktprogramm "Roadmap to Value", einschließlich des "IndEx"-Programms zur Kostensenkung, umgesetzt. Sind Sie mit den Ergebnissen zufrieden?
Larry Rosen: Die "Roadmap to Value" war in vielerlei Hinsicht zweifellos ein Erfolg. Wir haben unsere Effizienz nachhaltig verbessert, unser Portfolio weiter optimiert und unsere Kapitalintensität deutlich verringert. Was jedoch am wichtigsten ist: Durch die Roadmap haben wir im Konzern das Bewusstsein fest verankert, dass sich eine langfristige Denkweise und der behutsame Umgang mit Kapital sowohl für Mitarbeiter und Kunden als auch für Investoren auszahlen. Damit sind wir unserem Ziel einen wichtigen Schritt näher gekommen, in Zukunft am Kapitalmarkt in unserem Sektor 1. Wahl für Investoren zu sein.
Was genau hat die Roadmap to Value dem Konzern Deutsche Post DHL gebracht?
Obwohl man bei Auflage des Programms die Wirtschaftskrise noch gar nicht absehen konnte, hat die Roadmap to Value einen entscheidenden Beitrag dazu geleistet, dass wir die Krise so gut bewältigt haben - weit besser als viele andere Unternehmen, gerade auch in unserer Branche. Im Krisenumfeld haben wir zwar das ursprünglich ausgegebene Ergebnis- und Dividendenziel verfehlt. Aber alle anderen, von uns direkt beeinflussbaren Ziele der "Roadmap to Value" haben wir erreicht: Mit "IndEx" haben wir die indirekten Kosten konzernweit um gut 1,1 Milliarden Euro gesenkt; geplant war 1 Milliarde Euro, und das auch erst bis Ende 2010. Unsere Liquidität konnten wir erheblich stärken: Zum einen haben wir das Nettoumlaufvermögen seit Ende 2007 um 890 Millionen Euro reduziert und damit unser Ziel von 700 Millionen Euro klar übertroffen. Zum anderen hat der Verkauf nicht-strategischer Vermögenswerte - vor allem Immobilien - einen Mittelzufluss von 1,35 Milliarden Euro erbracht, deutlich mehr als die angestrebte 1 Milliarde Euro. Zum Bilanzstichtag lag unsere Liquidität bei 3,1 Milliarden Euro, mehr als doppelt so hoch wie ein Jahr zuvor.
Auch das in Anbetracht der Krise sehr beachtliche EBIT vor Einmaleffekten für das vergangene Geschäftsjahr in Höhe von rund 1,5 Milliarden Euro hätten wir ohne die Roadmap wohl kaum erreicht. Alles in allem sind wir sehr zufrieden mit dem, was wir erreicht haben. Der Konzern Deutsche Post DHL steht ausgangs der schwersten Finanz- und Wirtschaftskrise seit vielen Jahrzehnten finanziell auf einem sehr soliden Fundament.
Ihre Aufgabe als Finanzvorstand ist es ja vor allem, dafür zu sorgen dass das so bleibt. Was genau haben Sie in Ihrem Aufgabenbereich in den kommenden Jahren vor?
Die Hauptaufgabe unseres Finanzmanagements wird es auch künftig sein, finanzielle Risiken und Kapitalkosten zu minimieren und dabei die nachhaltige finanzielle Stabilität und Flexibilität des Konzerns zu gewährleisten. Dafür spielt eine angemessene Bilanzstruktur eine Schlüsselrolle. Deshalb steht ein konkretes Ziel-Rating auch im Mittelpunkt unserer künftigen Finanzstrategie. Derzeit werden wir von Standard & Poor's mit BBB+ und von Moody's mit Baa1 bewertet. Das ist für ein Unternehmen unserer Branche eine sehr gute Bonitätseinstufung. Wir streben daher an, dieses Rating langfristig zu halten. So gewährleisten wir, dass wir jederzeit Zugang zu Finanzierungsmitteln zu attraktiven Konditionen haben und unsere Kapitalkosten auf einem niedrigen Niveau bleiben.
Sie sprachen eben die neue Finanzstrategie des Konzerns an. Wie sieht diese konkret aus?
Das beschriebene Ratingziel ist ein zentraler Eckpfeiler. Eine langfristige und auf Kontinuität ausgerichtete Dividendenpolitik ist ein weiterer. Wir wollen künftig zwischen 40 und 60 Prozent unseres Konzernergebnisses an unsere Anteilseigner ausschütten. Dieses Bekenntnis ist ein klares Signal für Verlässlichkeit und Berechenbarkeit in der Zukunft. Wir erwarten, dass wir damit unsere Attraktivität für Investoren weiter erhöhen können. Gleichzeitig haben wir uns klare Prioritäten für die Nutzung unserer Liquidität gesetzt. An erster Stelle stehen hier Investitionen in unser bestehendes Geschäft. Wir wollen mit unserer Finanzstrategie gewährleisten, dass wir zu jeder Zeit den notwendigen finanziellen Spielraum haben, um im operativen Geschäft weiter wachsen zu können und die "Strategie 2015" erfolgreich umzusetzen. Zudem wollen wir unsere überschüssigen Finanzmittel für die schrittweise Ausfinanzierung unserer Pensionsverpflichtungen sowie eine weitere Stärkung unseres Ratings verwenden.
Nur wenn wir bei all diesen Punkten kein Optimierungspotenzial mehr sehen, sind auch Sonderdividenden oder ein Aktienrückkaufprogramm denkbar. Außerdem wollen wir die uns zur Verfügung gestellten bilateralen Kreditlinien in eine syndizierte Kreditfaszilität überführen, um die Komplexität unserer Finanzierungsinstrumente zu reduzieren und uns langfristig attraktive Finanzierungskonditionen zu sichern.
Und was wird das laufende Jahr bringen?
Wir werden in diesem Jahr auf dem eingeschlagenen Weg konsequent die nächsten Schritte nach vorne machen. Unsere Investitionen werden wir behutsam auf 1,4 Milliarden Euro erhöhen. Das Geld verwenden wir für organisches Wachstum in unseren beiden Konzernsäulen. Auch unser operatives Ergebnis vor Einmaleffekten dürfte in diesem Jahr steigen. Wir gehen von einer Spanne von 1,6 bis 1,9 Milliarden Euro aus. Was für uns besonders wichtig ist: Erstmals werden im laufenden Jahr beide Säulen unseres Konzerns annähernd gleich viel zum Gesamtergebnis beitragen.
Das zeigt, dass unsere Zwei-Säulen-Strategie Früchte trägt. Im nächsten Jahr sollte sich der positive Ergebnistrend, sofern die Weltwirtschaft auf einen nachhaltigen Wachstumskurs einschwenkt, für die Deutsche Post DHL als weltweit führender Post- und Logistik-Konzern fortsetzen. Und mittel- bis langfristig, davon sind wir heute mehr denn je überzeugt, wird die Deutsche Post DHL ohnehin zu den Gewinnern in unserer Industrie gehören.