Rede Dr. Frank Appel
Anlässlich der Pressekonferenz zur Eröffnung des Air Hubs Leipzig/Halle am 26. Mai 2008
Es gilt das gesprochene Wort.
Sehr geehrte Damen und Herren von der Presse, auch von meiner Seite einen schönen Guten Morgen,
Nachdem wir uns vor mehr als 3 Jahren entschieden haben, den Flughafen Leipzig/Halle zu unserem neuen Luftfrachtdrehkreuz für Europa auszubauen, rollten 2005 die ersten Bagger an. Auf 2 Millionen Quadratmetern Brachland entstand eine der größten Baustellen Mitteldeutschlands. Bis zu 2.000 Arbeiter waren in Spitzenzeiten hier beschäftigt.
Dass wir im Expresstempo voran gekommen sind, davon konnten sich einige von Ihnen bereits im Oktober 2006 überzeugen. Damals haben wir mit einem Bergfest unter Anwesenheit der Bundeskanzlerin die Mitte der Bauzeit gefeiert. Und heute gibt es einen noch größeren Anlass zum Feiern: Die offizielle Eröffnung unseres DHL Air Hubs!
Diejenigen von Ihnen, die mit dem Flugzeug angereist sind, hatten vermutlich schon Gelegenheit, aus der Vogelperspektive einen Blick auf unser neues DHL Air Hub zu werfen. Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, als ich mir heute Morgen unseren Hub aus der Luft angesehen habe, war ich zutiefst beeindruckt von den Dimensionen.
Das Gelände des Luftfrachtdrehkreuzes ist größer als das gesamte Fürstentum Monaco. Im Landeanflug auf Leipzig/Halle fällt zuerst ein riesiger, gelb-roter Quader ins Auge. Es handelt sich dabei um das Herzstück unseres Luftfrachtdrehkreuzes: die größte Sortieranlage in ganz Deutschland. Auf der Fläche des Gebäudekomplexes hätten ganze 5 Fußballfelder Platz.
Wir sind heute im Gebäude nebenan, dem Hangar, zu Gast - ebenfalls ein Bau von immensen Ausmaßen. Zwei Maschinen vom Typ A 380 - dem derzeit größten Flugzeug der Welt - hätten in dieser gigantischen Garage nebeneinander Platz.
Unser DHL Air Hub ist das modernste Luftfrachtdrehkreuz in ganz Europa. Ich bin mir sicher, dass die 300 Mio. EUR, die wir in den Ausbau investiert haben, gut angelegt sind. Denn wir haben in die Zukunft unseres Unternehmens investiert - und gleichzeitig damit in die Zukunft der Region Leipzig/Halle. Unser Ziel ist es, langfristig schneller und stärker zu wachsen als der Wettbewerb. Als weltweiter Marktführer ist es unser Anspruch, eine Vorreiterrolle einzunehmen und die künftige Entwicklung der Branche maßgeblich zu prägen.
Die Logistik ist der Inbegriff einer Zukunftsbranche
Durch die Globalisierung steigen die Warenströme rund um den Erdball. Der Welthandel legte 2007 um 7% zu, für 2008 prognostiziert die Weltbank ein Plus von 7,4%. Experten gehen davon aus, dass der Aufwärtstrend in den kommenden 25 Jahren anhalten wird. Ob Siliziumchips oder Autobauteile - in der arbeitsteilig organisierten Industrie würde die Produktion ohne funktionierende Logistiksysteme innerhalb kürzester Zeit ins Stocken geraten.
Mit rund 2,5 Millionen Beschäftigten ist die Logistik hierzulande schon heute einer der wichtigsten Wirtschaftszweige und hat Branchen wie die Stahl- und Automobilindustrie hinter sich gelassen.
Ihren Titel als Exportweltmeister hat die Bundesrepublik auch der Stärke der hiesigen Logistikbranche zu verdanken. 2007 war die Logistik mit 8 % Wachstum erneut ein Konjunkturmotor. Zum Vergleich: Das deutsche Bruttoinlandsprodukt legte im gleichen Zeitraum nur 2,6 % zu.
Unsere Tochter DHL hat mit ihrem weltumspannenden Express-Netzwerk die besten Voraussetzungen, am Aufschwung der Branche teilzuhaben. Die Ansprüche, die heute an Logistiker gestellt werden, lauten: höchste Geschwindigkeit, höchste Zuverlässigkeit, höchste Qualität. Dadurch steigt die Nachfrage nach zeitkritischen Express-Dienstleistungen wie beispielsweise dem internationalen Über-Nacht-Versand. Genau deshalb haben wir uns entschieden, in den Ausbau unseres Express-Netzwerks zu investieren.
Bei der Suche nach einem geeigneten Standorts hat sich Leipzig/Halle schnell als Favorit herauskristallisiert. Dass wir eine gute Wahl getroffen hatten, bestätigte sich schon in den ersten Wochen. Die Zusammenarbeit Hand in Hand mit den Behörden war hervorragend. Die notwendigen Baugenehmigungen wurden quasi im Expresstempo erteilt. Ich freue mich deshalb besonders, die Ministerpräsidenten von Sachsen und Sachsen-Anhalt, Herrn Milbradt und Herrn Böhmer, beim anschließenden Festakt begrüßen zu dürfen. Sie haben die Ansiedlung von DHL jederzeit unterstützt, wofür ich Ihnen heute noch mal ausdrücklich danken möchte.
Auch sonst sprechen starke Argumente für den Standort Leipzig/Halle. Allen voran die strategisch günstige Lage inmitten des neuen Europas. Die Wachstumsmärkte Ost- und Mitteleuropas liegen quasi vor der Haustür. Wie wichtig diese Länder für unsere Kunden und damit für DHL sind, zeigt ein Blick auf den Flugplan unseres Luftfrachtdrehkreuzes: Ob Moskau, Kiew oder Sofia - wir fliegen von Leipzig/Halle aus allein 11 Destinationen in Osteuropa an. Insgesamt sind es 46 Flugziele auf drei Kontinenten.
Damit ist Leipzig/Halle für DHL nicht nur Brückenkopf zum Osten, sondern auch unser Tor zur Welt. Das hiesige Hub ist einer der drei wichtigsten Knotenpunkte unseres weltweiten Express-Netzwerks - neben Hongkong und den USA. Die besondere Rolle dieser drei Luftfrachtdrehkreuze wird Ihnen Scott Price im Anschluss näher erläutern.
Die Infrastruktur der Region
Damit komme ich zum zweiten Argument für Leipzig/Halle: die hervorragende Verkehrsinfrastruktur hier vor Ort. Schon im Mittelalter kreuzten sich in Leipzig die wichtigsten Handelsstraßen Europas. Im 15. Jahrhundert lief die traditionsreiche Messestadt sogar Venedig den Rang als Umschlagplatz für Pelze, Silber, Seide und Edelsteine ab.
Heute sind es meist andere Güter, die wir hier in Leipzig/Halle in Empfang nehmen, sortieren und in alle Himmelsrichtungen weitertransportieren. Auch die Verkehrsanbindungen unseres Hubs sind vielfältiger als damals. Fast zwei Jahrzehnte nach dem Fall der Mauer und des Eisernen Vorhangs kann die Region endlich wieder im vollen Umfang von Ihrer Stellung als Verkehrsknotenpunkt in der Mitte Europas profitieren.
Ein weiterer Grund für unsere Entscheidung zu Gunsten von Leipzig/Halle war das große Potenzial an Arbeitskräften. Und ich muss ehrlich sagen, die Nachfrage hat unsere kühnsten Erwartungen übertroffen. Rund 50.000 Bewerbungen haben uns bis zum heutigen Tag erreicht. Bis 2012 werden wir 3.500 Männer und Frauen einstellen.
Zudem werden im Umfeld mehrere Tausend Arbeitsplätze entstehen. Schaut man sich die Biografien unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hier in Leipzig/Halle an, so stammen knapp 90 Prozent aus der Region. Gut die Hälfte war vorher ohne Beschäftigung - viele davon über Jahre hinweg. Ich freue mich, dass wir einen Beitrag zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit leisten und vielen Leipzigern, Hallensern sowie Bürgern aus den Gemeinden im Umland eine neue berufliche Perspektive bieten können.
Die Logistik ist damit ein wichtiger Beschäftigungsmotor für diese Region. Allein bei DHL schaffen wir rund 3.500 Arbeitsplätze, 100 Lehrstellen und 25 Praktikumsplätze, und drum herum werden weitere 7.000 Jobs entstehen. Das bedeutet umgerechnet eine Kaufkraft von rund 70 Mio. Euro pro Jahr für die Menschen dieser Region.
Natürlich hat so etwas, wie immer im Leben, auch seinen Preis - und Sie alle haben ja auf dem Weg hierher die Demonstration von Anwohnern gegen Fluglärm gesehen.
Das Logistik- und gerade das Expressgeschäft, um das es bei diesem europäischen Luftfrachtdrehkreuz ja in erster Linie geht, ist aber seiner Natur nach ein Termingeschäft. Der Kunde fordert eine Auslieferung von einem Tag auf den anderen - und wenn wir als moderner Logistikdienstleister dies nicht erbringen, so wird dies ein anderer für uns tun. Wettbewerbsfähigkeit fordert ganz klar einen Betrieb rund um die Uhr und damit auch Nachtflugbetrieb.
Wir haben daher nie ein Geheimnis daraus gemacht, dass die Zusage von nächtlichem Flugbetrieb auch ein wichtiger Grund für die Standortentscheidung für Leipzig / Halle war. Nach einer Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichtes kann Expressgut uneingeschränkt geflogen werden - und wir haben die Menschen in der Region von Anfang an rechtzeitig, ehrlich und umfassend darüber informiert, dass dies für uns eine wichtige betriebliche Voraussetzung für unser Geschäft ist. Ohne diese Zusage gäbe es heute weder das neue Drehkreuz Leipzig / Halle noch die von mir gerade geschilderten dringend benötigten Chancen für diese Region.
Selbstverständlich sind wir uns der Beeinträchtigungen von nächtlichem Flugbetrieb für die Anwohner sehr wohl bewusst, und wir sind daher bestrebt, die negativen Begleitumstände auf ein absolutes Minimum zu reduzieren.
Wir fliegen nur das, was notwendig ist - und setzen bei dem größten Teil unserer Flugzeuge mit der B 757 und künftig der B 777 bewusst auf lärmarme Flugzeugtypen. Die sogenannten Flüsterjets zählen zu den modernsten Frachtfliegern ihrer Klasse. Im Vergleich zum Vorgängermodell sind sie um 77% leiser und verbrauchen 20% weniger Treibstoff. Der Flughafen selbst unterstützt zusätzlich mit einem Lärmschutzkonzept, das mit Schallschutzfenstern und Lüftungseinrichtungen für die Anwohner weit über das bisher übliche Maß in Deutschland hinausgeht.
Wir haben diesen neuen Standort bewusst als ein trimodales Drehkreuz angelegt, bei dem wir neben dem Luftverkehr auch Straße und Schiene nutzen können und wollen. Die Deutsche Bahn baut zurzeit einen Cargobahnhof am Flughafen Leipzig / Halle, den wir - neben anderen - auch nutzen wollen. Ein erster Schritt wird sein, dass wir im Laufe diesen Jahres Güterzüge zwischen Leipzig / Halle und dem Flughafen Frankfurt/ Main nutzen werden.
Nach dem Motto "In der Welt zuhause. Der Region verpflichtet." sehen wir Logistik gerade in Leipzig / Halle nicht als Bedrohung sondern als Chance für diese Region und für die Menschen, die an diesem Zuhause leben und auch arbeiten möchten.
Klimawandel und Umweltschutz
Wir wollen dabei aber nicht nur mit der Schaffung von Tausenden von Arbeitsplätzen hier am Standort für Aufbruchstimmung sorgen, sondern auch in Sachen Umweltschutz eine Menge bewegen. Ein Thema, das uns alle angeht, ist der globale Klimawandel. Der Transport-Sektor ist für rund 14% der globalen CO2-Emissionen verantwortlich.
Als weltweiter Marktführer in der Logistik sind wir uns unserer Verantwortung für den Klimaschutz bewusst. Dass die Klimaerwärmung kommt, ist nicht mehr wegzudiskutieren. Aber wir haben es in der Hand, den Grad der Veränderung zu beeinflussen. Deshalb hat Deutsche Post World Net vor wenigen Wochen ein weltweites Klimaschutzprogramm GoGreen gestartet, mit dem wir uns freiwillig an den Vorgaben des Kyoto-Protokolls orientieren.
Konkret heißt das: Wir wollen pro verschicktem Brief, transportiertem Container und genutztem Quadratmeter Fläche den Kohlendioxid-Ausstoß bis zum Jahr 2020 um 30 % senken. Umweltschutz hatte für Deutsche Post World Net schon lange vor dem offiziellen Startschuss für GoGreen einen hohen Stellenwert - das galt auch für den Bau unseres neuen Hubs. Unser Planungsteam stand vor der Frage: Lassen sich ein 23.000 Quadratmeter großer Hangar und ein mehr als doppelt so großes Verteilzentrum umweltschonend betreiben? Heute kann ich Ihnen sagen: Es funktioniert! Ich werde Ihnen dies anhand einiger Beispiele illustrieren:
Die Energieversorgung des Hubs übernimmt zu wesentlichen Teilen ein mit Erdgas betriebenes Blockheizkraftwerk. Das Besondere ist, dass die bei der Stromproduktion entstehende Wärmeenergie direkt vor Ort zum Einsatz kommt. Im Winter nutzen wir die Energie, um die Gebäude zu beheizen und im Sommer um die Lagerräume zu kühlen. Auf diese Weise werden zwischen 80 und 90% der eingesetzten Energie in Strom umgewandelt.
Bei herkömmlichen Kraftwerken liegt der Anteil nur bei 30 bis 40%. Darüber hinaus nutzen wir Sonnenenergie zur Stromerzeugung. Auf den Dächern der Gebäude sind 1.000 Quadratmeter Solarzellen angebracht. Auf diese Weise erzeugen wir jedes Jahr mehr als 100.000 Kilowattstunden Strom, die wir ins öffentliche Netz einspeisen. Durch das Blockheizkraftwerk und die Photovoltaikanlage können wir gegenüber herkömmlichen Technologien jährlich mehr als 3.000 Tonnen CO2 einsparen.
Ein weiteres Beispiel für praktizierten Umweltschutz ist die Nutzung von Regenwasser. Jahr für Jahr sammeln wir in zwei Zisternen rund 3.000 Kubikmeter Wasser. Wir verwenden es anstelle von Trinkwasser, zum Beispiel um unsere Flugzeuge zu reinigen. DHL bietet noch ein Novum für die Region: Als erstes Unternehmen bieten wir ein vergünstigtes Jobticket an. Mehr als 500 Mitarbeiter nutzen das Angebot bereits und kommen nicht mit dem eigenen Auto, sondern mit öffentlichen Verkehrsmitteln hierher ins Hub.
Damit leisten Sie auf dem täglichen Weg zur Arbeit einen eigenen, kleinen Beitrag zum Klimaschutz.
Die hier in Leipzig/Halle erprobten Konzepte für einen schonenden Umgang mit Ressourcen werden wichtige Erfahrungswerte liefern und sollen Vorbildcharakter für unsere Standorte rund um den Globus haben. Denn unser Ziel ist es nicht nur der Branchengrößte zu sein, sondern auch in Sachen Umweltschutz und Nachhaltigkeit eine Vorreiterrolle in der Logistik zu übernehmen.
Zusammenfassung
Meine Damen und Herren, Leipzig/Halle ist ein ganz besonderer Ort für die Zukunft unseres Unternehmens. Gleichzeitig ist unser DHL Luftfrachtdrehkreuz ein wichtiger Impulsgeber für den weiteren Aufschwung in der Region. Hier vor Ort haben wir - wie es im Managerjargon heißt - eine echte "win-win-Situation". Und ich bin mir sicher, dass das auch in Zukunft so bleibt.
Denn wir haben uns für die kommenden Jahre einiges vorgenommen: Wir werden weitere Arbeitsplätze schaffen. Gemeinsam mit der Lufthansa hat DHL Express eine neue Luftfrachtgesellschaft gegründet: AeroLogic. Die ersten Maschinen des Gemeinschaftsunternehmens werden im April 2009 abheben - auch hier in Leipzig/Halle. Der positive Effekt für die Region sind rund 1.000 weitere Jobs.
Wir geben jungen Menschen eine Perspektive. In Kürze eröffnen wir unsere DHL-eigene Lehrwerkstatt. Wir werden bis zum Jahr 2012 rund 100 Jugendlichen eine qualifizierte Ausbildung anbieten können, unter anderem als Speditionskaufmann, Mechatroniker oder Fachkraft für Lagerwirtschaft.
Wir werden Wachstumschancen nutzen und denken schon heute darüber nach, den Hub weiter auszubauen. Das Grundstück bietet genügend Platz für zwei weitere Sortierzentren der gleichen Größenordnung. Das sind ideale Voraussetzungen, um der weltweit wachsenden Nachfrage nach Express-Dienstleistungen gerecht zu werden und hier in Leipzig/Halle einen Logistikstandort auf Weltniveau zu etablieren.
Lassen Sie mich zum Schluss noch einmal die Bedeutung von Leipzig / Halle und damit des heutigen Tages für unseren Konzern zusammenfassen. Als drittes unserer zentralen Luftfrachtdrehkreuze ist dieser Standort für unseren Konzern nicht nur das derzeit größte Neubauprojekt sondern ein ganz wichtiger Meilenstein beim weiteren Ausbau unseres internationalen Luftverkehrsnetzes im Rahmen unserer generellen Wachstumsstrategie.
Wir haben uns bei der Standortwahl hierbei bewusst für Leipzig / Halle entscheiden, da wir hier sowohl von der zentralen Lage inmitten des erweiterten Europas als auch von einer exzellenten Infrastrukturanbindung und hervorragenden Personalressourcen profitieren können.
Leipzig/Halle steht für unser Unternehmen in vielerlei Hinsicht für den Aufbruch in die Zukunft. Ich bin daher der festen Überzeugung:
Der Schritt hierher war goldrichtig. Ich kann mir keinen besseren Standort für unser europäisches Luftfrachtdrehkreuz vorstellen. Und ich freue mich, auf den gemeinsamen Weg in die Zukunft - von DHL, der Region und ihren Menschen.