Hilfe, wir wachsen!
In Indien ist das Tempo der Veränderung Fluch und Segen zugleich. DHL hilft seinen Kunden und dem Konzern, das ungezügelte Wachstum zu kanalisieren.
Die größte Herausforderung in Indien ist stets das massive Wachstum. Das erlebt auch der Pharmakonzern Pfizer, der in Indien produziert und jetzt den wachsenden Verbrauchermarkt ins Visier nimmt. Doch bei 28 Bundesstaaten und dem Einsatz unterschiedlicher Großhändler in jedem einzelnen verlor Pfizer bald den Blick für die Endkunden.
Ähnlich sieht es bei ITC aus, einem millionenschweren Mischkonzern. Das Unternehmen, das auch Konsumgüter produziert, muss dafür sorgen, dass die Produkte den Markt schnell erreichen. Deshalb hat ITC lokale Anbieter mit der Distribution betraut. Sich an das zu halten, was man kennt, kann zwar sinnvoll sein - aber auch teuer.
Ein weiteres Beispiel ist Galaxy, das Chemikalien und Rohstoffe im- und exportiert. Das Unternehmen ging 1980 als kleiner Betrieb an den Start und produziert heute mehrere hundert Produkte. Hätte man das Supply-Chain-Management vielleicht effizienter organisieren können? Manchmal ist einfach keine Zeit, um einen Schritt zurückzutreten und die Dinge in Ruhe zu betrachten.
Alle diese Unternehmen sind DHL-Kunden. Und sie alle haben unterschiedliche und komplexe logistische Anforderungen, für die DHL Lösungen schafft. Allerdings ist das nicht immer leicht. Zwar arbeiten die DHL-Geschäftsbereiche seit jeher gut zusammen. Doch der Markt ist derart fragmentiert, dass man Chancen verpasst, wenn die Strukturen nicht ständig angepasst werden. Und: Die Infrastruktur des Landes kann das Wachstum kaum bewältigen.
Neue Millionenstädte
Indiens Wirtschaft wächst derzeit um rund acht Prozent pro Jahr. Im Technologie- und IT-Sektor sind es sogar annähernd 30 Prozent. Auch der Einzelhandel und der Gesundheitssektor boomen. Neue Millionenstädte entstehen - ohne dass es eine verlässliche Energie- und Wasserversorgung oder kommunale Regierungsstrukturen gibt. Die Straßen versinken im Verkehrschaos. Dabei beschränkt sich der Wildwuchs nicht nur auf die Städte.
Klar ist: Indien bietet enorme Chancen. Doch an Häfen und Flughäfen kommt es zu langen Wartezeiten. Lastwagen müssen meist Schritttempo fahren. Die regionale Steuerstruktur hat komplexe Lieferketten entstehen lassen, und die Reform des Steuersystems verzögert sich.
Immerhin: DHL kann seinen Kunden helfen, Lösungen für ihre Probleme mit dem Wachstum zu finden. "Um Pfizer zu unterstützen, setzten wir auf das Order-to-Cash-Modell (O2C)", erläutert Prithu Srivastava. Dabei handele es sich um ein zentralisiertes Bestellmanagementsystem, erklärt der Strategiechef für Süd- und Südostasien von DSC Asia Pacific.
Monatelange Analyse
Das indische Unternehmen ITC hat andere Probleme. Immer mehr ausländische Anbieter drängen in den indischen Einzelhandel. "Die indischen Unternehmen brauchen erstklassige Prozesse und optimierte Lieferketten", sagt Oscar De Bok, DSC-Hauptabteilungsleiter Südasien & Indochina.
Doch kleinere Unternehmen, die vor allem auf den Preis schauen, scheuen sich, DHL anzusprechen. "Wir haben zwei Monate lang die Logistik von ITC analysiert. Hier geht es weniger um Verkaufsgespräche als um Beratung", sagt Srivastava. Galaxy hingegen gilt es zu überzeugen, seinen Transportbedarf anders zu messen und die Effizienz zu verbessern.
Seine eigene Infrastruktur erweitert DHL mit einem neuen Lagerhauskomplex in Mumbai. "Manchen unserer Kunden ist ihrLagerhaus oft schon nach einem Jahr zu klein", sagt De Bok. Wegen des komplexen Grundrechts werden Lagerhäuser fast nur für den Eigenbedarf gebaut. Die zur Miete verfügbaren Gebäude sind alt. "Daher errichten wir in den großen Städten so genannte Multi Customer Sites, die von mehreren Unternehmen genutzt werden können." Das Lagerhaus in Mumbai wird Ende des Jahres eröffnet, die Planungen für ein weiteres in Bangalore laufen bereits.