"Hier kommt keine Langeweile auf"
"Seefracht benötigt von der Küste bis Europa locker 30 bis 35 Tage, zuzüglich des Inlandstransports."
Chinas Wirtschaft ist im Umbruch. Die Produktion verlagert sich in den Westen des Landes. Qualifiziertes Personal ist schwer zu finden. Fünf Fragen and Kelvin Leung, CEO Nordasien/Pazifik bei DHL Global Forwarding.
Noch vor wenigen Jahren standen Chinas Küstenregionen um Peking und Schanghai im wirtschaftlichen Rampenlicht. Warum zieht es jetzt alle Richtung Westen?
Die Preise steigen, das treibt die Unternehmen ins Landesinnere. Außerdem werden sie von der Regierung ermutigt. Diese setzt verstärkt auf die wirtschaftliche Entwicklung des Westens und Nordens.
Wie etabliert ist DHL im Westen Chinas?
In Chengdu sind wir bereits gut etabliert. Immer mehr GCS- und Nicht-GCS-Kunden kommen jetzt in den Westen. Wir verfügen über ein erfahrenes Team und gute Kontakte zu den Zollbehörden. Das ermöglicht uns, Probleme schnell anzugehen.
Lastwagen, die das Nummernschild aus einer bestimmten Stadt tragen, können oftmals nicht in einer anderen Stadt Waren ausliefern. Warum ist das so?
Gegenwärtig gibt es kein einziges ausländisches Unternehmen, das über eine landesweite Straßenfrachtlizenz verfügt. Alle ausländischen Firmen müssen sich in jeder Stadt neu anmelden.
Wie steht es mit Schienentransporten - eine Option?
Unser Multimodal-Service verbindet China mit Russland und von dort mit Europa. Für einige Kunden ist das eine Option. Wir haben Kunden aus der Telekommunikationsbranche, die das bereits ausprobiert haben. Noch ist das Produkt nicht ausgereift, aber die Gesamtkosten und Transportzeit lohnen eine nähere Betrachtung.
Seefracht benötigt von der Küste bis Europa locker 30 bis 35 Tage, zuzüglich des Inlandstransports. Güter, die aus Südchina per Zug nach Urumtschi gehen und von dort weiter nach Moskau sind in 17 oder 18 Tagen am Ziel.
Wie weit im Voraus können Kunden die Nachfrageentwicklung prognostizieren?
Wir drängen unsere Kunden, bessere Prognosen zu treffen. Für uns ist Vorausplanen wirklich wichtig. Oft ist das schwierig. Der Markt hier ist sehr schwankend. In den westlichen Industrienationen lässt sich die Entwicklung besser voraussehen, die Veränderungen kommen dort eher schrittweise. In einem dynamischen Markt wie China können sich die Dinge schlagartig ändern - positiv wie negativ.
Die unberechenbare Generation Y
Jedes Unternehmen, das im Westen Chinas aktiv ist, hat damit zu kämpfen, qualifizierte Mitarbeiter zu finden.
Die Erwartungen der Generation Y - geboren in den Achtzigern und frühen Neunzigern - sind hoch, ihre Loyalität begrenzt. Mitarbeiter dieser Generation schicken ihre Kündigung gerne per E-Mail. Oder sie machen Urlaub und kommen nicht zurück. Sind sie ausgebildet, ist es schwer, sie zu halten, weil anderswo höhere Gehälter locken.
DHL stellt sich dem Problem. "Wir haben Schulungs- und Austauschprogramme sowie Partnerschaften mit Universitäten", erläutert Gordon Simpson, Leiter HR bei DGF Asien-Pazifik. "Wir geben den Leuten die Instrumente, um ihre Karriere zu planen, zeigen ihnen aber auch, wie sie Karriere machen können, wenn sie bei uns bleiben."